Wann eine MRT mit Herzschrittmacher möglich ist
Lange galt ein Herzschrittmacher als Grund, keine MRT zu machen. Seit 2008 gibt es Schrittmacher, die für die MRT getestet und zugelassen sind, und heute bieten alle großen Hersteller solche Geräte an. Fachleute nennen sie bedingt MRT-tauglich. Die MRT ist damit erlaubt, aber nur unter genau festgelegten Bedingungen.
Zu einem Schrittmacher gehören das Gerät im Brustbereich und die Elektroden, also die dünnen Kabel vom Gerät zum Herzen. MRT-tauglich ist nur das ganze System, Gerät und Elektroden zusammen. Ein neueres Gerät an einer älteren Elektrode erfüllt die Bedingungen deshalb nicht immer.
Vor jeder MRT prüft die Kardiologie fünf Bedingungen. So empfehlen es die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die Deutsche Röntgengesellschaft in einem gemeinsamen Papier. Die Kardiologen nennen dieselben Punkte auch in ihrer Empfehlung von 2025.
- Gerät und Elektroden sind zusammen als MRT-tauglich zugelassen.
- Der Schrittmacher sitzt seit mehr als 6 Wochen.
- Die Elektroden sind intakt, und die Batterie ist ausreichend geladen.
- Im Körper liegen keine stillgelegten alten Elektroden, sonst entscheidet die Klinik im Einzelfall.
- Das Gerät sitzt links oder rechts im Brustbereich.
Ältere Schrittmacher ohne diese Zulassung schließen eine MRT nicht mehr grundsätzlich aus. Spezialisierte Zentren untersuchen solche Patienten im Einzelfall, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt und besondere Schutzmaßnahmen greifen. Für Menschen mit einem implantierten Defibrillator, einem Gerät, das gefährliche Herzrhythmusstörungen mit einem Stromstoß beendet, gelten strengere Maßstäbe, weil ihr Risiko höher ist.
Wer vor der MRT Ihren Schrittmacher prüft
Die Prüfung teilen sich zwei Fachrichtungen. Die Kardiologie fragt den Schrittmacher mit einem Gerät ab und hält schriftlich fest, dass seine Bedingungen erfüllt sind. Die Radiologie prüft, ob ihr MRT-Gerät zu den Vorgaben des Herstellers passt, etwa bei der Stärke des Magneten.
Der Eintrag im Schrittmacherausweis reicht dafür nicht immer. Manche Elektroden haben die Hersteller erst nach dem Einsetzen als MRT-tauglich getestet. Deshalb fragen die Ärzte den aktuellen Stand beim Hersteller ab.
- Ihre überweisende Praxis meldet den Schrittmacher der Radiologie, bevor ein Termin vergeben wird.
- Die Kardiologie prüft Gerät und Elektroden und bestätigt das Ergebnis schriftlich.
- Am Tag der MRT stellt die Kardiologie den Schrittmacher in einen Schutzmodus für die MRT um.
- Während der Messung überwacht das Personal Ihren Puls, die Fachgesellschaften empfehlen dafür einen Clip am Finger.
- Nach der MRT stellt die Kardiologie den Schrittmacher wieder zurück, in der Regel noch am selben Tag.
Bei MRT-tauglichen Schrittmachern muss kein Kardiologe im Raum sein. Er muss aber im Notfall schnell erreichbar sein, und das Personal am Gerät muss Zwischenfälle erkennen und behandeln können.
Künstliches Gelenk, Stent oder Herzklappe im MRT
Implantate ohne Elektronik machen seltener Probleme. Dazu gehören Gelenkprothesen, Platten, Schrauben, Stents, Herzklappen und die Spirale zur Verhütung. Vor der MRT klärt die Praxis aber, ob sie magnetisch sind, so verlangt es das Bundesamt für Strahlenschutz.
| Implantat | MRT möglich? | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Stent in einem Herzkranzgefäß | Ja, auch sofort nach dem Einsetzen | So empfiehlt es die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. |
| Künstliche Herzklappe | Ja, ohne Wartezeit | Bei sehr frühen Modellen prüft die Praxis genauer, nennen Sie deshalb das Modell. |
| Künstliches Hüft- oder Kniegelenk | Ja, in der Regel | Nahe am Gelenk können die Bilder gestört sein. Manche Kliniken warten nach dem Einsetzen 6 Wochen. |
| Platten, Schrauben und Nägel im Knochen | Ja, in der Regel | Bei Titan hält die Uniklinik Ulm eine MRT 6 Wochen nach dem Einsetzen für problemlos. |
| Spirale zur Verhütung | Ja | Die Uniklinik Ulm rät danach zu einer Kontrolle bei der Frauenärztin, weil die Spirale verrutschen kann. |
Stents am Herzen sind nach Einschätzung der Deutschen Herzstiftung für eine MRT völlig unproblematisch. Die meisten bestehen aus Metall, das nicht oder nur schwach magnetisch ist, und die Geräte haben Schutzsysteme gegen eine schädliche Erwärmung.
Bei Gelenken und Platten aus Metall liegt das häufigere Problem im Bild, weil das Metall die Aufnahmen in seiner Umgebung stört. Je nach Material können sich Implantate auch erwärmen oder verrutschen, deshalb fragt die Praxis nach dem genauen Modell. Ob die MRT Ihre Frage trotzdem klärt oder ob ein anderes Verfahren wie die CT besser passt, entscheidet die Radiologin.
Zahnimplantat, Insulinpumpe und Metallsplitter
Zahnimplantate nennen Sie im Fragebogen wie jedes andere Implantat. Bei Implantaten aus Titan zeigte eine Laborstudie der Universität Ulm vor allem ein Problem im Bild: Das Titan verdeckt die Umgebung des Implantats, Keramik dagegen kaum. Herausnehmbaren Zahnersatz und herausnehmbare Zahnspangen legen Sie vor der Messung ab.
Eine Insulinpumpe und einen Zuckersensor am Körper nehmen Sie vor der Messung ab. Die Uniklinik Essen bittet, Ersatzmaterial für danach mitzubringen. Eine unter der Haut eingesetzte Pumpe zählt dagegen zu den Implantaten mit Elektronik.
Für alle Implantate mit Elektronik gilt eine strenge Regel. Eine MRT kommt nach dem Bundesamt für Strahlenschutz nur infrage, wenn der Implantatausweis oder die betreuende Ärztin sie erlaubt. Dazu zählen neben Schrittmachern auch Cochlea-Implantate, also Hörprothesen im Innenohr, Nervenstimulatoren und kleine EKG-Rekorder unter der Haut.
Metallsplitter im Körper, etwa nach einem Arbeitsunfall oder einer Verletzung, sind schwer einzuschätzen, weil ihr Material meist unbekannt ist. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät in solchen Fällen von einer MRT ab. Die Uniklinik Freiburg schließt eine MRT aus, wenn Splitter im Auge, im Gehirn oder in der Wirbelsäule liegen. An anderen Stellen entscheiden Größe, Art und Lage des Splitters.
Erzählen Sie deshalb von jedem Splitter, auch wenn die Verletzung lange zurückliegt.
Darf ich mit Tattoo oder Permanent-Make-up ins MRT?
Ja, mit einem Tattoo üblicher Größe ist eine MRT in aller Regel möglich. Die Uniklinik Freiburg hat bei Tätowierungen in üblicher Größe und mit wenigen Farben bisher keine Probleme beobachtet. Bei sehr großen und bunten Tattoos entscheidet sie im Einzelfall.
Die Vorsicht hat mit der Farbe zu tun. Manche Farbpigmente enthalten Metall, sie können sich im Gerät erwärmen und die Haut reizen, so der Krebsinformationsdienst. Die AOK beschreibt in manchen Fällen Hautreizungen oder Schwellungen. Für Permanent-Make-up gilt dasselbe.
Die Kliniken gehen damit unterschiedlich um. Die Uniklinik Ulm führt großflächige Tattoos mit metallhaltigen Farben als Grund, keine MRT zu machen. Nennen Sie Ihre Tattoos deshalb im Fragebogen mit Größe und Lage. Spüren Sie während der Messung Wärme oder Brennen auf der Haut, drücken Sie sofort die Klingel.
Piercings nehmen Sie vor der Messung heraus.
Welche Unterlagen Sie zur MRT mit Implantat brauchen
Das wichtigste Dokument ist der Implantatausweis. Nach EU-Recht liefern die Hersteller ihn mit jedem Implantat mit, und die Klinik trägt Ihren Namen, das Datum und ihre Anschrift ein. Auf dem Ausweis stehen Name, Art, Modell und Seriennummer des Implantats und der Hersteller. Damit kann die Praxis nachsehen, unter welchen Bedingungen eine MRT erlaubt ist.
Für kleine Teile wie Schrauben, Platten, Drähte, Klammern, Zahnfüllungen, Zahnkronen und Zahnspangen schreibt das EU-Recht keinen Ausweis vor. Bringen Sie dafür mit, was Sie an Unterlagen zum Implantat haben.
Packen Sie für den Termin diese Unterlagen ein.
- Implantatausweis oder Schrittmacherausweis
- Die schriftliche Bestätigung der Kardiologie, wenn Sie einen Schrittmacher oder Defibrillator haben
- Ihren Allergiepass, falls vorhanden
- Einen aktuellen Nierenwert, wenn Kontrastmittel geplant ist
- Ersatz für Insulinpumpe oder Zuckersensor, die Sie vor der Messung abnehmen
Fehlt der Ausweis, fragen Sie in der Klinik nach, die das Implantat eingesetzt hat. Mit Schrittmacher brauchen Sie am Untersuchungstag mehr Zeit, weil zwei Besuche in der Kardiologie dazukommen. Wie lange eine MRT sonst dauert, hängt vor allem von der untersuchten Körperregion ab.
Häufige Fragen
Darf ich mit einem Herzschrittmacher ins MRT?
Ja, mit einem MRT-tauglichen Herzschrittmacher ist eine MRT möglich, wenn Gerät und Elektroden zusammen dafür zugelassen sind und alle Bedingungen des Herstellers erfüllt sind. Die Kardiologie stellt den Schrittmacher vor der Messung um und danach zurück. Bei älteren Geräten entscheiden spezialisierte Zentren im Einzelfall.
Wie lange nach dem Einsetzen eines Herzschrittmachers ist eine MRT möglich?
Eine MRT mit MRT-tauglichem Herzschrittmacher ist erst möglich, wenn das Einsetzen mehr als 6 Wochen zurückliegt. In dieser Zeit wachsen die Elektroden ein, und ihre Messwerte sind noch nicht stabil. So steht es in der gemeinsamen Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Deutschen Röntgengesellschaft.
Darf ich mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk ins MRT?
Ja, mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk ist eine MRT in der Regel möglich. Die Uniklinik Freiburg nennt solche Prothesen MRT-tauglich, nahe am Gelenk können die Bilder aber gestört sein. Manche Kliniken, etwa die Uniklinik Ulm, warten nach dem Einsetzen 6 Wochen.
Ist eine MRT mit Stent am Herzen gefährlich?
Nein, eine MRT mit Stent am Herzen gilt als unproblematisch. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hält sie sogar sofort nach dem Einsetzen für möglich. Nennen Sie den Stent trotzdem im Fragebogen.
Darf ich mit Tattoo ins MRT?
Ja, mit einem Tattoo üblicher Größe ist eine MRT in der Regel möglich. Metallhaltige Farben können sich aber erwärmen und die Haut reizen, bei großen bunten Tattoos entscheidet die Praxis im Einzelfall. Drücken Sie sofort die Klingel, wenn die Haut während der Messung warm wird.
