Was eine Prostata-MRT als Selbstzahler kostet
Eine privat bezahlte MRT hat in Deutschland keinen frei verhandelbaren Preis. Die Praxis rechnet nach der GOÄ ab, der amtlichen Gebührenordnung für ärztliche Leistungen außerhalb der Kasse. Jede Leistung hat dort einen festen Grundbetrag, den die Praxis mit einem Faktor zwischen 1,0 und 2,5 vervielfacht. Geht sie über den 1,8-fachen Satz hinaus, muss sie auf der Rechnung schriftlich begründen, warum Ihre Untersuchung schwieriger oder aufwendiger war.
Für die Aufnahmen einer Prostata-MRT berechnet die Praxis drei Posten. Das sind die MRT des Beckens, eine ergänzende Bildserie nach der Gabe von Kontrastmittel und ein Zuschlag für die Auswertung am Computer. Zusammen ergibt das 361,38 Euro zum einfachen Satz, 613,19 Euro zum 1,8-fachen und 833,51 Euro zum 2,5-fachen Satz. Den Zuschlag für die Computerauswertung darf die Praxis nur einfach berechnen, er bleibt deshalb immer bei 46,63 Euro.
| Posten auf der Rechnung | Einfacher Satz | 1,8-facher Satz | 2,5-facher Satz |
|---|---|---|---|
| MRT des Beckens | 256,46 Euro | 461,64 Euro | 641,16 Euro |
| Ergänzende Bildserie, etwa nach Kontrastmittel | 58,29 Euro | 104,92 Euro | 145,72 Euro |
| Zuschlag für die Auswertung am Computer | 46,63 Euro | 46,63 Euro | 46,63 Euro |
| Summe für die Aufnahmen | 361,38 Euro | 613,19 Euro | 833,51 Euro |
Auf der Rechnung können weitere Posten stehen, etwa für die Beratung, den schriftlichen Befund, die Spritze mit dem Kontrastmittel und das Mittel selbst. Ein Beispiel ist der veröffentlichte Kostenvoranschlag der radiologischen Praxis der KMG Kliniken in Luckenwalde. Er nennt zum einfachen Satz 398,10 Euro für alle ärztlichen Posten und bis zu 60 Euro für das Kontrastmittel. Die Regeln für Faktor und Begründung gelten für jede MRT auf eigene Rechnung gleich.
Warum die Krankenkasse die Prostata-MRT bisher nicht zahlt
Im Abrechnungskatalog der Kassenpraxen steht nur eine allgemeine MRT des Beckens. Die Praxis in Luckenwalde erklärt in ihrem Antragsformular, dass diese Untersuchung die Prostata nur grob zeigt. Für die Frage nach Krebs braucht es eine gezielte Prostata-MRT mit feineren Schichten und mehreren Bildserien, auch mit Kontrastmittel, und die steht nicht im Katalog.
Neue Untersuchungen dürfen Kassenpraxen erst abrechnen, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss ihren Nutzen anerkannt hat. Das ist das Gremium aus Ärzten und Krankenkassen, das festlegt, was die Kasse zahlt. Für die gezielte Prostata-MRT fehlt diese Anerkennung bisher.
Die Krankenkasse VIACTIV schreibt ihren Versicherten deshalb, dass sie die Kosten nicht übernehmen darf. Ist der Krebsverdacht durch eine Gewebeprobe schon bestätigt, lässt sie im Einzelfall den Medizinischen Dienst prüfen, also den Gutachterdienst der Kassen. Es geht dann um eine Gewebeprobe, bei der die MRT-Bilder die Nadel lenken.
Wann die Kasse eine Prostata-MRT trotzdem bezahlt
Gesetzlich Versicherte kommen auf drei Wegen zu einer Prostata-MRT, die die Kasse bezahlt.
1. Über einen Sondervertrag Ihrer Kasse
Krankenkassen dürfen mit einzelnen Praxen und Kliniken Sonderverträge über eine besondere Versorgung schließen. Ein Beispiel vom Juli 2026 kommt aus München. Das TUM Klinikum rechts der Isar bietet dort Versicherten der DAK und der Techniker Krankenkasse eine Prostata-MRT und eine gezielte Gewebeprobe ohne Zuzahlung an. Voraussetzung ist ein bestätigt erhöhter PSA-Wert über 3 Nanogramm je Milliliter.
Der PSA-Wert ist ein Blutwert. Ein erhöhter Wert kann ein erster Hinweis auf Prostatakrebs sein, hat aber oft auch andere Ursachen. Fragen Sie Ihre Kasse, ob sie einen solchen Vertrag hat und mit welchen Praxen in Ihrer Nähe.
2. Während einer Behandlung im Krankenhaus
Im Krankenhaus gelten andere Regeln als in der Kassenpraxis. Dort dürfen Ärztinnen eine Untersuchung, über die das Gremium noch nicht entschieden hat, einsetzen, wenn sie medizinisch notwendig ist und eine mögliche Alternative bietet. Werden Sie ohnehin im Krankenhaus aufgenommen, kann die Prostata-MRT Teil dieser Behandlung sein.
3. Mit einem Antrag vor der Untersuchung
Sie können vor der Untersuchung schriftlich bei Ihrer Kasse beantragen, dass sie die Kosten übernimmt. Manche Praxen geben dafür ein fertiges Formular mit Kostenvoranschlag mit. Die Kasse muss innerhalb von 3 Wochen entscheiden. Holt sie ein Gutachten des Medizinischen Dienstes ein, hat sie 5 Wochen Zeit und muss Ihnen das mitteilen.
Lehnt die Kasse ab oder antwortet sie nicht rechtzeitig, lassen Sie sich beraten, etwa bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland oder einer Verbraucherzentrale.
Hat Ihre Ärztin einen Verdacht auf Prostatakrebs, etwa wegen eines erhöhten PSA-Werts?
Hat Ihre Krankenkasse einen Sondervertrag mit einer Praxis oder Klinik in Ihrer Nähe?
Dann zahlt die Kasse die MRT bei dieser Praxis oder Klinik. Fragen Sie vorher, welche Unterlagen Sie brauchen.
Stellen Sie vor dem Termin einen schriftlichen Antrag bei Ihrer Kasse. Lehnt sie ab, zahlen Sie die Rechnung selbst.
Ohne Verdacht ist die MRT eine Früherkennung, die Sie selbst zahlen. Ob die Kasse sie künftig anbietet, entscheidet das zuständige Gremium spätestens im Oktober 2027.
Zahlt die private Krankenversicherung die Prostata-MRT?
Bei einem Krebsverdacht in der Regel ja, im Rahmen Ihres Tarifs. Die Musterbedingungen der privaten Krankenversicherung decken die medizinisch notwendige Behandlung wegen einer Krankheit ab. Für die Notwendigkeit spricht die Leitlinie der Fachgesellschaften vom Sommer 2025, die die MRT bei der Abklärung eines Verdachts gestärkt hat. Nach einem bestätigten PSA-Wert über 3 Nanogramm je Milliliter empfiehlt sie eine weitere Abklärung.
Ohne Verdacht sieht es anders aus. Früherkennung zahlen die Musterbedingungen nur, wenn sie zu einem gesetzlich eingeführten Programm gehört, und die Prostata-MRT gehört bisher zu keinem. Ihr Tarif kann mehr enthalten, das steht in Ihren Versicherungsbedingungen.
Wird die Prostata-MRT zur Früherkennung Kassenleistung?
Noch nicht, und die Entscheidung fällt spätestens im Oktober 2027. Seit dem 16. Oktober 2025 prüft der Gemeinsame Bundesausschuss, das Gremium aus Ärzten und Krankenkassen, eine gestufte Früherkennung. Zuerst bestimmt die Ärztin den PSA-Wert, und nur bei einem auffälligen Wert folgt eine MRT.
Heute zahlt die Kasse Männern ab 45 Jahren einmal im Jahr eine Früherkennung, zu der das Abtasten der Prostata gehört. Der PSA-Test gehört nicht dazu. Die Leitlinie der Fachgesellschaften empfiehlt das Abtasten zur Früherkennung seit 2025 ausdrücklich nicht mehr.
Im Juni 2026 hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das für das Gremium Studien bewertet, einen vorläufigen Bericht vorgelegt. Es fand noch keine Daten zu den langfristigen Folgen einer Früherkennung mit PSA-Test und MRT. Kurzfristige Ergebnisse zeigen aber, dass die MRT zusätzlich zum PSA-Test die Zahl der Gewebeproben und der falschen Alarme senkt. Außerdem findet sie seltener Krebs, der voraussichtlich nie Beschwerden gemacht hätte.
Einen Nutzen leitet das Institut daraus bisher nicht ab. Es sieht aber ein Potenzial, weil weniger Männer eine Diagnose und eine Behandlung bekämen, die sie nie gebraucht hätten. Zwei laufende Studien sollen in den kommenden Jahren klären, ob die Kombination die Sterblichkeit an Prostatakrebs mindestens so gut senkt wie der PSA-Test allein.
Den Abschlussbericht erwartet das Institut im vierten Quartal 2026. Am 4. Oktober 2026 lag er noch nicht vor. Danach berät das Gremium, und ob die Kasse eine solche Früherkennung künftig zahlt, ist bis dahin offen.
Was Sie vor einer Prostata-MRT auf eigene Rechnung klären
Wer die Prostata-MRT selbst bezahlen soll, klärt vorher fünf Dinge.
- Fragen Sie Ihre Krankenkasse, ob sie einen Sondervertrag für die Prostata-MRT hat.
- Lassen Sie sich von der Praxis einen schriftlichen Kostenvoranschlag mit allen Posten und dem Faktor geben.
- Stellen Sie mit diesem Kostenvoranschlag einen schriftlichen Antrag bei Ihrer Kasse, bevor Sie zur Untersuchung gehen.
- Fragen Sie, ob Kontrastmittel geplant ist und was das Mittel kostet.
- Prüfen Sie die Rechnung. Liegt der Faktor über 1,8, muss eine schriftliche Begründung für Ihre Untersuchung dabeistehen.
Weiß die Praxis, dass die Kasse nicht sicher zahlt, muss sie Sie vor der Untersuchung über die voraussichtlichen Kosten informieren. Das muss in Textform geschehen, also lesbar auf Papier oder elektronisch, etwa als E-Mail.
Häufige Fragen
Was kostet eine Prostata-MRT ohne Krankenkasse?
Eine Prostata-MRT kostet ohne Krankenkasse 361,38 bis 833,51 Euro für die Aufnahmen, je nach Faktor. Bis zum 1,8-fachen Satz sind es 613,19 Euro. Beratung, Befundbericht und Kontrastmittel kommen hinzu, in einem veröffentlichten Kostenvoranschlag bis zu 60 Euro allein für das Mittel.
Zahlt die gesetzliche Krankenkasse eine Prostata-MRT bei erhöhtem PSA-Wert?
Nicht regulär, denn die gezielte Prostata-MRT gehört bisher nicht zu den Leistungen der Kassenpraxen. Manche Kassen zahlen sie über Sonderverträge mit einzelnen Praxen oder Kliniken. Sonst bleibt ein schriftlicher Antrag bei der Kasse vor der Untersuchung.
Zahlt die private Krankenversicherung eine Prostata-MRT?
Bei einem Krebsverdacht in der Regel ja, weil private Versicherungen medizinisch notwendige Behandlungen wegen einer Krankheit bezahlen. Früherkennung ohne Verdacht zahlen die Musterbedingungen nur in gesetzlich eingeführten Programmen, und dazu gehört die Prostata-MRT nicht. Ihr Tarif kann mehr enthalten.
Wie lange hat die Krankenkasse Zeit, über einen Antrag auf Prostata-MRT zu entscheiden?
Die Krankenkasse muss über einen Antrag auf Prostata-MRT innerhalb von 3 Wochen entscheiden. Holt sie ein Gutachten des Medizinischen Dienstes ein, hat sie 5 Wochen Zeit und muss Ihnen das mitteilen.
Ab wann zahlt die Krankenkasse eine Prostata-MRT zur Früherkennung?
Eine Prostata-MRT zur Früherkennung zahlt die Krankenkasse bisher nicht. Das zuständige Gremium aus Ärzten und Krankenkassen prüft seit Oktober 2025 eine Früherkennung mit PSA-Test und MRT und entscheidet spätestens im Oktober 2027. Ob die Untersuchung danach Kassenleistung wird, ist offen.
