Die Myokardszintigrafie in 6 Schritten
Die Myokardszintigrafie ist eine Untersuchung der Nuklearmedizin. Sie zeigt Bereich für Bereich, wie gut der Herzmuskel durchblutet ist. Das Mittel bleibt in den Herzmuskelzellen hängen, sobald es dort ankommt. Das Bild zeigt deshalb die Durchblutung im Moment der Spritze, auch wenn die Kamera erst später misst.
1. Vorbereitung
Die Praxis schreibt ein EKG in Ruhe, misst den Blutdruck und legt einen Zugang in eine Armvene.
2. Belastung
Sie treten auf einem Standfahrrad, das fest am Boden steht. Die Praxis beginnt mit 25 bis 50 Watt und erhöht alle 1 bis 2 Minuten. EKG und Blutdruck laufen die ganze Zeit mit.
3. Spritze
Auf der höchsten Stufe bekommen Sie das Mittel gespritzt. Danach treten Sie noch 1 bis 2 Minuten weiter.
4. Pause
Sie essen etwas Fettiges, etwa ein Käsebrot, trinken reichlich ohne Kohlensäure und gehen ein wenig umher. So stört weniger Mittel aus Magen und Darm das Bild vom Herzen.
5. Aufnahme
Sie liegen unter der Kamera, die je nach Gerät 5 bis 20 Minuten misst. Die Bilder entstehen oft 45 bis 60 Minuten nach der Spritze, nach dem Fahrrad auch schon nach 10 bis 15 Minuten.
6. Aufnahme in Ruhe, falls nötig
Ist das Bild unter Belastung unauffällig, kann die Ruheaufnahme entfallen. Sonst folgt sie am selben Tag oder an einem zweiten Termin.
Wann ersetzt ein Medikament das Fahrrad?
Die Fachgesellschaft gibt dem Fahrrad den Vorzug, wenn Sie sich ausreichend belasten können. Es zeigt zusätzlich, wie belastbar Sie sind und wie Kreislauf und Herzrhythmus reagieren. Manche Menschen schaffen die nötige Belastung aber nicht, etwa wegen einer schweren Lungenerkrankung oder vor einer großen Operation. Dann weitet ein Medikament die Herzgefäße, und Sie müssen sich nicht anstrengen.
Auch bei einem Linksschenkelblock, einer bestimmten Auffälligkeit im EKG, und bei manchen Herzschrittmachern nimmt die Praxis das Medikament. Auf dem Fahrrad entstehen in diesen Fällen häufiger falsche Ergebnisse.
Die Medikamente wirken nur kurz. Adenosin läuft 4 bis 6 Minuten als Infusion, und seine Nebenwirkungen klingen nach 1 bis 2 Minuten ab. Dobutamin setzen Praxen bei unter 1 Prozent der Untersuchungen ein.
| Belastung | Wie sie wirkt | Wann die Praxis sie wählt |
|---|---|---|
| Standfahrrad | Sie treten, Puls und Sauerstoffbedarf des Herzens steigen | erste Wahl, wenn Sie sich genug belasten können |
| Regadenoson | weitet die Herzgefäße, als Spritze | für viele Menschen, auch bei Asthma oder der Lungenkrankheit COPD, weil es weniger Nebenwirkungen hat |
| Adenosin | weitet die Herzgefäße, als Infusion über 4 bis 6 Minuten | wenn das Fahrrad nicht geht, Nebenwirkungen klingen nach 1 bis 2 Minuten ab |
| Dobutamin | lässt das Herz schneller und kräftiger schlagen | selten, bei unter 1 Prozent der Untersuchungen |
Während das Medikament wirkt, spüren viele Menschen kurz Druck oder Schmerz in der Brust, Atemnot oder ein warmes, gerötetes Gesicht. Bei Adenosin haben etwa 4 von 10 Menschen kurz Brustschmerzen. Sagen Sie dem Team, wie es Ihnen geht, denn die Praxis kann die Belastung jederzeit beenden.
Wann ordnet die Kardiologin eine Myokardszintigrafie an?
Meist geht es um den Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße. Diese Krankheit heißt koronare Herzkrankheit. Die Leitlinie für Ärztinnen und Ärzte folgt dabei dem Grundsatz, zuerst Untersuchungen ohne Herzkatheter zu machen. Einen Herzkatheter sollen vor allem die Menschen bekommen, bei denen das Ergebnis die Behandlung direkt verändert.
Die Myokardszintigrafie ist eine von mehreren solchen Untersuchungen. Andere sind ein Ultraschall des Herzens unter Belastung, eine MRT unter Belastung oder eine CT der Herzkranzgefäße. Welche Ihre Ärztin wählt, hängt von Ihren Beschwerden, Ihrem Risiko und den Geräten vor Ort ab.
4 häufige Gründe für die Myokardszintigrafie
- Brustschmerzen, hinter denen verengte Herzkranzgefäße stecken könnten.
- Die Frage, wie stark eine bekannte Verengung die Durchblutung einschränkt.
- Die Kontrolle, ob Medikamente gegen Brustenge wirken.
- Die Abschätzung des Risikos vor einer großen Operation, die nicht das Herz betrifft.
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt die Myokardszintigrafie. Meist überweist Sie Ihre Kardiologin oder Hausärztin in eine nuklearmedizinische Praxis.
Vor der Myokardszintigrafie 4 Stunden nichts essen
Für die Untersuchung kommen Sie mit leerem Magen. Die Fachgesellschaft rät, mindestens 4 Stunden vor der Belastung nichts zu essen. Menschen mit Diabetes dürfen leicht frühstücken.
5 Punkte für die Vorbereitung
- Klären Sie mit Ihrer Ärztin, welche Herzmedikamente Sie vorher weglassen. Die Fachgesellschaft empfiehlt, Betablocker 48 Stunden vorher zu pausieren und andere Herzmittel am Untersuchungstag nicht zu nehmen.
- Bringen Sie Sportkleidung und feste Schuhe für das Fahrrad mit.
- Packen Sie ein Käse- oder Wurstbrot für die Pause ein, falls die Praxis keinen Imbiss anbietet.
- Melden Sie Asthma, eine chronische Lungenerkrankung, Herzrhythmusstörungen, einen Herzschrittmacher oder eine mögliche Schwangerschaft.
- Planen Sie je nach Ablauf 45 Minuten bis 4 Stunden ein, bei zwei Terminen an zwei Tagen.
Wenn Sie stillen oder ein Kleinkind betreuen, fragen Sie die Praxis vorher, was danach für den Kontakt zu Kindern nach einer Szintigrafie gilt.
Wie viel Strahlung bringt eine Myokardszintigrafie?
Die Strahlenbelastung reicht von 2,8 Millisievert, wenn nur die Aufnahme unter Belastung nötig ist, bis 8,8 Millisievert, wenn beide Aufnahmen an einem Tag stattfinden. Millisievert ist die Maßeinheit für die Strahlenbelastung des Körpers. An zwei Tagen sind es 6 bis 6,8 Millisievert.
| Ablauf | Strahlenbelastung | Warum |
|---|---|---|
| Nur Aufnahme unter Belastung | 2,8 bis 3,2 Millisievert | Das Bild unter Belastung ist unauffällig, die Ruheaufnahme entfällt. |
| Belastung und Ruhe an zwei Tagen | 6 bis 6,8 Millisievert | Sie bekommen an zwei Terminen je eine gleich große Menge des Mittels. |
| Belastung und Ruhe an einem Tag | 7,8 bis 8,8 Millisievert | Die zweite Spritze braucht die dreifache Menge, damit die erste das Bild nicht stört. |
Zum Vergleich: Die natürliche Strahlung in Deutschland macht im Jahr durchschnittlich 2,1 Millisievert aus. Die Leitlinie für Ärztinnen und Ärzte zählt Werte unter 10 Millisievert bei dieser Untersuchung zum niedrigen Bereich.
Das größte Risiko der Untersuchung ist nach der Fachgesellschaft nicht die Strahlung, sondern die Belastung des Herzens. Deshalb überwacht die Praxis EKG, Puls und Blutdruck die ganze Zeit. Eine Ärztin mit Erfahrung in Notfällen ist während der Belastung verfügbar.
Häufige Fragen
Muss ich vor einer Myokardszintigrafie nüchtern sein?
Ja, vor einer Myokardszintigrafie essen Sie mindestens 4 Stunden nichts. Menschen mit Diabetes dürfen leicht frühstücken. Nach der Spritze essen Sie dann etwas Fettiges, etwa ein Käsebrot.
Darf ich vor einer Myokardszintigrafie Kaffee trinken?
Nein, in den 12 Stunden vor einer Myokardszintigrafie mit Medikament trinken Sie keinen Kaffee. Koffein schwächt die Wirkung von Adenosin und Regadenoson, und das gilt auch für Tee, Cola und Schokolade. Fragen Sie die Praxis, ob bei Ihnen eine Belastung mit Medikament geplant ist.
Muss ich vor einer Myokardszintigrafie meine Herzmedikamente absetzen?
Herzmedikamente setzen Sie vor einer Myokardszintigrafie nur nach Absprache mit Ihrer Ärztin ab. Die Fachgesellschaft empfiehlt, Betablocker 48 Stunden vorher zu pausieren und andere Herzmittel am Untersuchungstag wegzulassen. Geht das nicht, belastet die Praxis Ihr Herz mit einem Medikament.
Wie lange dauert eine Myokardszintigrafie?
Eine Myokardszintigrafie dauert je nach Ablauf 45 Minuten bis 4 Stunden. Die Belastung selbst dauert weniger als 10 Minuten, die Kamera misst je Aufnahme 5 bis 20 Minuten. Bei zwei Terminen kommen Sie an zwei Tagen in die Praxis.
Was ist das größte Risiko bei einer Myokardszintigrafie?
Das größte Risiko einer Myokardszintigrafie ist die Belastung des Herzens, nicht die Strahlung. Deshalb überwacht die Praxis EKG, Puls und Blutdruck die ganze Zeit. Eine Ärztin mit Erfahrung in Notfällen ist während der Belastung verfügbar.
Zahlt die Krankenkasse eine Myokardszintigrafie?
Ja, die Myokardszintigrafie ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. Meist überweist Sie Ihre Kardiologin oder Hausärztin dafür in eine nuklearmedizinische Praxis.
