Wie unterscheidet sich Nuklearmedizin von Radiologie?
Die Radiologie zeigt vor allem, wie ein Organ aussieht. Röntgen, CT, MRT und Ultraschall machen Größe, Form, Brüche, Knoten oder Engstellen sichtbar. Die Nuklearmedizin zeigt dagegen, wie gut ein Organ arbeitet. Ein Organ kann auf einem Röntgenbild unauffällig aussehen und trotzdem zu viel oder zu wenig leisten.
Dafür bekommen Sie eine kleine Menge eines schwach radioaktiven Mittels, meist als Spritze in die Armvene. Das Mittel ist so gebaut, dass es sich in einem bestimmten Organ sammelt. Die Schilddrüse nimmt es zum Beispiel ähnlich auf wie Jod. Eine Spezialkamera, die Gammakamera, misst danach von außen, wo sich das Mittel sammelt und wie viel davon ankommt. Die Aufnahme mit dieser Kamera heißt Szintigrafie.
Manche Geräte verbinden beide Verfahren. Ein PET-CT oder ein ähnliches Kombigerät macht zuerst die Aufnahme mit dem radioaktiven Mittel und direkt danach ein CT mit wenig Strahlung. So kann die Ärztin eine auffällige Stelle genau einem Knochen, einem Lymphknoten oder einem Organ zuordnen.
Zur Nuklearmedizin gehört außerdem der Ultraschall, etwa der Schilddrüse. Und das Fach behandelt Krankheiten mit radioaktiven Stoffen, zum Beispiel die Schilddrüse mit radioaktivem Jod. Für diese Behandlung bleiben Sie mindestens 48 Stunden in einer Klinik.
Welche Untersuchungen macht die Nuklearmedizin?
Die Wartezeit zwischen Spritze und Aufnahme reicht von 5 Minuten bei der Schilddrüse bis zu 5 Stunden bei den Knochen. Bei der Schilddrüse beginnt die Aufnahme nach 5 bis 25 Minuten, bei der Knochenszintigrafie nach 2 bis 5 Stunden. Beim PET-CT liegt rund 1 Stunde dazwischen.
| Untersuchung | Was sie zeigt | Zeit von der Spritze bis zur Aufnahme |
|---|---|---|
| Schilddrüsenszintigrafie | wie aktiv die Schilddrüse und einzelne Knoten arbeiten | 5 bis 25 Minuten |
| Knochenszintigrafie | an welchen Stellen im ganzen Skelett sich der Knochen besonders stark umbaut | 2 bis 5 Stunden |
| Myokardszintigrafie | wie gut der Herzmuskel unter Belastung durchblutet ist | 10 bis 60 Minuten |
| PET-CT | wo Gewebe im Körper besonders aktiv ist, vor allem bei der Suche nach Krebs | rund 1 Stunde |
Daneben untersucht die Nuklearmedizin unter anderem die Nieren, die Lunge und das Gehirn. Für die häufigen Untersuchungen legt das Bundesamt für Strahlenschutz fest, wie viel von dem Mittel eine Praxis im Regelfall nicht überschreiten soll.
Für das PET-CT gilt eine Besonderheit. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt es nur bei 10 festgelegten Krankheitsbildern, vor allem bei Lungenkrebs und Lymphdrüsenkrebs. Wer die Kosten für ein PET-CT trägt, hängt deshalb von Ihrer Diagnose ab.
Brauchen Sie eine Überweisung zur Nuklearmedizin?
Ja, als Kassenpatient brauchen Sie für eine nuklearmedizinische Praxis eine Überweisung. Die Nuklearmedizin gehört zu den Fächern, die gesetzlich Versicherte nur mit Überweisung aufsuchen können, so wie die Radiologie und das Labor. Meist überweist Sie Ihre Hausärztin oder eine Fachärztin, etwa eine Kardiologin oder eine Krebsspezialistin.
Eine Überweisung allein reicht aber nicht. Vor jeder Untersuchung prüft eine Ärztin mit eigener Ausbildung im Strahlenschutz, ob der Nutzen für Sie größer ist als das Risiko durch die Strahlung. Erst dann findet die Untersuchung statt.
Was Sie zum Termin mitbringen
- Die Überweisung mit der Frage, die die Untersuchung klären soll.
- Frühere Befunde und Bilder, etwa vom Ultraschall, CT oder MRT, und Bilder früherer Szintigrafien.
- Eine Liste Ihrer Medikamente, vor allem Schilddrüsentabletten und jodhaltige Mittel.
- Den Hinweis, ob Sie in den letzten Wochen jodhaltiges Kontrastmittel bekommen haben, etwa bei einem CT.
- Den Hinweis auf eine mögliche Schwangerschaft oder darauf, dass Sie stillen.
Wie läuft eine Szintigrafie ab?
Eine Szintigrafie folgt fast immer demselben Ablauf. Unterschiedlich ist vor allem, wie lange Sie nach der Spritze warten.
- Im Gespräch klärt die Ärztin Ihre Beschwerden, Ihre Medikamente und eine mögliche Schwangerschaft.
- Sie bekommen das schwach radioaktive Mittel, meist als Spritze in die Armvene. Die Menge richtet sich nach der Untersuchung und teils nach Ihrem Körpergewicht.
- Sie warten, bis sich das Mittel im Organ gesammelt hat. Das dauert je nach Untersuchung Minuten oder Stunden.
- Sie liegen oder sitzen vor der Kamera und halten möglichst still, damit die Bilder scharf werden.
- Eine Fachärztin für Nuklearmedizin wertet die Bilder aus. Den Befund bekommt meist Ihre überweisende Praxis, die ihn mit Ihnen bespricht.
Soll die Untersuchung zeigen, wie ein Organ aussieht?
Dann hilft meist die Radiologie mit Röntgen, CT, MRT oder Ultraschall.
Soll sie zeigen, wie gut ein Organ arbeitet?
Dann passt meist die Nuklearmedizin, etwa bei Knoten in der Schilddrüse oder einer Überfunktion.
Dann klärt Ihre Ärztin, welche Untersuchung Ihre Frage am besten beantwortet.
Nuklearmediziner lernen 5 Jahre nach dem Studium
Die Nuklearmedizin ist ein eigenes Fach mit eigener Ausbildung. Nach dem Medizinstudium dauert die Weiterbildung zur Fachärztin mindestens 5 Jahre. Bis zu 12 Monate davon dürfen in der Radiologie stattfinden.
In dieser Zeit lernen die Ärztinnen Strahlenphysik und Strahlenschutz für Patienten, Begleitpersonen und Personal. Sie lernen auch, wann eine nuklearmedizinische Untersuchung sinnvoll ist und wann eine radiologische. Die Weiterbildungsordnung sieht dafür unter anderem 800 Untersuchungen von Knochen und Gelenken und 500 Untersuchungen von Herz und Gefäßen vor.
Für das PET-CT gelten noch strengere Regeln. In der Kassenversorgung dürfen es nur Fachärzte machen, die in der Regel mindestens 1.000 PET-Untersuchungen bei Krebs aus den letzten 5 Jahren nachweisen.
Häufige Fragen
Brauche ich für eine nuklearmedizinische Untersuchung eine Überweisung?
Ja, als Kassenpatient brauchen Sie für eine nuklearmedizinische Untersuchung eine Überweisung. Die Nuklearmedizin gehört zu den Fächern, die gesetzlich Versicherte nur mit Überweisung aufsuchen können. Meist stellt sie Ihre Hausärztin oder Ihre behandelnde Fachärztin aus.
Wie viel Strahlung bringt eine Szintigrafie?
Die drei häufigen Szintigrafien von Schilddrüse, Knochen und Herz bringen zwischen rund 0,7 und 8,8 Millisievert. Millisievert ist die Maßeinheit für die Strahlenbelastung des Körpers. Bei der Schilddrüse sind es höchstens rund 0,7 Millisievert, bei den Knochen 2,5 bis 3,2 Millisievert und beim Herzen 2,8 bis 8,8 Millisievert.
Wie lange dauert ein Termin in der Nuklearmedizin?
Ein Termin in der Nuklearmedizin dauert je nach Untersuchung zwischen einer halben Stunde und mehreren Stunden. Den Unterschied macht die Wartezeit nach der Spritze. Sie beträgt bei der Schilddrüse 5 bis 25 Minuten und bei den Knochen 2 bis 5 Stunden.
Muss ich nach einer Szintigrafie Abstand zu Kindern halten?
Ja, nach den meisten Szintigrafien meiden Sie aber nur kurz engen Körperkontakt zu kleinen Kindern und Schwangeren. Der Berufsverband der Nuklearmediziner rät dazu für 2 Stunden nach der Untersuchung. Beim Stillen gelten längere Pausen, nach einer Schilddrüsenszintigrafie zum Beispiel 12 Stunden.
Kann man auf das Mittel einer Szintigrafie allergisch reagieren?
Nein, allergische Reaktionen auf die Mittel einer Szintigrafie sind nach Angaben des Berufsverbands der Nuklearmediziner nicht bekannt. Auch die Leitlinie zur Knochenszintigrafie nennt keine bekannten Unverträglichkeiten. Sagen Sie trotzdem Bescheid, wenn Sie schon einmal auf eine Untersuchung reagiert haben.
Was mache ich, wenn ich zur Szintigrafie schwanger sein könnte?
Sagen Sie der Praxis vor der Szintigrafie, wenn Sie schwanger sein könnten oder stillen. Die Ärztin wägt dann Nutzen und Risiko für das Kind besonders streng ab. Im Zweifel verschiebt sie die Untersuchung auf die Zeit nach der Geburt.
