5 Schritte der Schilddrüsenszintigrafie
Die Schilddrüsenszintigrafie gehört zu den Untersuchungen einer nuklearmedizinischen Praxis, die zeigen, wie gut ein Organ arbeitet. Die Schilddrüse nimmt das Mittel ähnlich auf wie Jod. Deshalb zeigt die Aufnahme, welche Bereiche viel und welche wenig arbeiten. Die Kamera sendet dabei selbst keine Strahlung aus. Sie misst nur die schwache Strahlung des Mittels in Ihrem Hals.
1. Gespräch
Die Ärztin fragt nach Ihren Beschwerden, früheren Befunden und Medikamenten.
2. Ultraschall und Blutabnahme
In vielen Fällen schaut die Ärztin zuerst mit Ultraschall auf Größe und Form der Schilddrüse. Oft nimmt sie auch Blut ab, etwa für die Schilddrüsenwerte.
3. Spritze
Sie bekommen eine kleine Menge des schwach radioaktiven Mittels in die Armvene, oft direkt nach der Blutabnahme über dieselbe Nadel.
4. Wartezeit
Nach 5 bis 25 Minuten hat sich das Mittel in der Schilddrüse gesammelt.
5. Aufnahme
Sie sitzen mit leicht nach hinten geneigtem Kopf vor der Kamera, oder Sie liegen. Die Aufnahme dauert meist 5 bis 10 Minuten, und Sie halten dabei möglichst still.
Schlucken dürfen Sie während der Aufnahme. Wichtig ist nur, dass Sie den Kopf ruhig halten, damit das Bild scharf wird.
Wann braucht man eine Schilddrüsenszintigrafie?
Ihre Ärztin ordnet eine Schilddrüsenszintigrafie an, wenn sie wissen will, wie aktiv das Gewebe der Schilddrüse arbeitet. Der Ultraschall zeigt Größe und Form. Die Blutwerte zeigen, ob zu viele oder zu wenige Hormone im Blut sind. Die Szintigrafie zeigt zusätzlich, welcher Teil der Schilddrüse wie viel leistet.
4 häufige Gründe für die Schilddrüsenszintigrafie
- Ein Knoten ab 1 Zentimeter, den die Ärztin ertastet oder im Ultraschall sieht.
- Der Verdacht, dass Knoten oder Teile der Schilddrüse auf eigene Faust Hormone bilden, auch bei normalen Blutwerten.
- Eine Überfunktion, bei der unklar ist, ob die Basedow-Krankheit oder eine chronische Entzündung dahintersteckt. Bei der Basedow-Krankheit regt das eigene Abwehrsystem die Schilddrüse zur Überfunktion an.
- Die Kontrolle nach einer Operation oder nach einer Behandlung mit radioaktivem Jod.
Was Sie vor der Schilddrüsenszintigrafie melden müssen
Für die Schilddrüsenszintigrafie müssen Sie nicht nüchtern sein. Wichtig ist alles, was viel Jod in Ihren Körper bringt oder die Schilddrüse beeinflusst. Zu viel Jod blockiert die Schilddrüse, und das Bild sagt dann kaum etwas aus.
- Jodhaltiges Kontrastmittel, etwa bei einem CT oder einer Herzkatheter-Untersuchung. Die Fachgesellschaft rät zu 4 Wochen Abstand, die Uniklinik Aachen fragt nach den letzten 6 bis 8 Wochen.
- Andere stark jodhaltige Mittel, etwa jodhaltige Desinfektionsmittel oder Augentropfen.
- Algen- oder Seetang-Präparate und andere Nahrungsergänzungsmittel mit viel Jod. Normale Jodtabletten bis 150 Mikrogramm am Tag stören die Untersuchung nicht.
- Schilddrüsentabletten und Mittel gegen eine Überfunktion, weil sie verändern, wie viel die Schilddrüse aufnimmt.
- Das Herzmittel Amiodaron. Nach diesem Mittel muss die Praxis deutlich länger warten.
- Eine mögliche Schwangerschaft und eine laufende Stillzeit.
- Frühere Befunde und Bilder, etwa auf CD, und frühere Szintigrafien der Schilddrüse.
Wenn Sie stillen, unterbrechen Sie das Stillen nach der Untersuchung für 12 Stunden. Wie Sie die Pause überbrücken und was für den Kontakt zu Kindern nach einer Szintigrafie gilt, besprechen Sie am besten vorher mit der Praxis.
Wie viel Strahlung bringt eine Schilddrüsenszintigrafie?
Eine Schilddrüsenszintigrafie bringt bei der üblichen Menge des Mittels höchstens rund 0,7 Millisievert. Millisievert ist die Maßeinheit für die Strahlenbelastung des Körpers. Zum Vergleich: Jeder Mensch in Deutschland bekommt aus natürlichen Quellen im Durchschnitt rund 2,1 Millisievert im Jahr.
Das Mittel zerfällt schnell. Nach 6 Stunden ist bereits die Hälfte davon zerfallen. Nach Angaben der Uniklinik Aachen ist es gut verträglich und hat in der üblichen Menge keine nennenswerten Nebenwirkungen.
Die übliche Menge gibt das Bundesamt für Strahlenschutz als Richtwert vor. Eine Praxis darf sie nur mit schriftlicher Begründung überschreiten, etwa bei einer sehr großen Schilddrüse oder bei Menschen, die schwer krank sind oder sich kaum bewegen können.
Was steht im Befund der Schilddrüsenszintigrafie?
Der Befund beschreibt, wie sich das Mittel in der Schilddrüse verteilt. Oft nennt er auch einen Prozentwert. Er gibt an, wie viel vom gespritzten Mittel die Schilddrüse aufgenommen hat.
Ein hoher Wert kann für Jodmangel oder für eine zu starke Hormonbildung sprechen. Ein sehr niedriger Wert kommt bei zu viel Jod vor und bei den meisten Entzündungen der Schilddrüse.
Was die Werte für Sie bedeuten, erklärt Ihre Ärztin. Sie bewertet die Szintigrafie immer zusammen mit Ultraschall, Blutwerten und Ihren Beschwerden. Fragen Sie beim Termin, ob der Befund direkt an Ihre überweisende Praxis geht oder ob Sie ihn mitnehmen.
Häufige Fragen
Muss ich für eine Schilddrüsenszintigrafie nüchtern sein?
Nein, für eine Schilddrüsenszintigrafie müssen Sie nicht nüchtern sein. Sie dürfen normal essen und trinken. Melden Sie aber jodhaltiges Kontrastmittel und Jodpräparate der letzten Wochen.
Wie lange dauert eine Schilddrüsenszintigrafie?
Die Schilddrüsenszintigrafie selbst dauert etwa 10 bis 35 Minuten. Nach der Spritze warten Sie 5 bis 25 Minuten, die Aufnahme dauert dann 5 bis 10 Minuten. Gespräch, Ultraschall und Blutabnahme kommen hinzu.
Muss ich vor einer Schilddrüsenszintigrafie meine Schilddrüsentabletten absetzen?
Nein, Schilddrüsentabletten setzen Sie vor der Szintigrafie nur ab, wenn Ihre Ärztin es anordnet. Soll die Untersuchung ohne Hormone stattfinden, lassen Sie Levothyroxin 4 Wochen vorher weg. Für manche Fragen braucht die Praxis die Tabletten dagegen, deshalb setzen Sie sie nie selbst ab.
Wie lange vor einer Schilddrüsenszintigrafie darf ich kein jodhaltiges Kontrastmittel bekommen?
Zwischen jodhaltigem Kontrastmittel und Schilddrüsenszintigrafie sollen nach der Fachgesellschaft 4 Wochen liegen. Das viele Jod blockiert die Schilddrüse, und das Bild wird ungenau. Ist die Untersuchung dringend, kann die Ärztin die Frist verkürzen.
Darf ich nach einer Schilddrüsenszintigrafie stillen?
Ja, nach einer Schilddrüsenszintigrafie dürfen Sie nach 12 Stunden Pause wieder stillen. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin. Abgepumpte Milch aus der Pause können Sie gekühlt aufbewahren und Ihrem Kind nach einem internationalen Stillprotokoll nach rund 60 Stunden geben.
Was bedeutet ein kalter Knoten in der Schilddrüsenszintigrafie?
Ein kalter Knoten nimmt bei der Szintigrafie weniger von dem Mittel auf als das übrige Gewebe der Schilddrüse. Er arbeitet also schwächer. Was das für Sie bedeutet, klärt Ihre Ärztin zusammen mit Ultraschall und Blutwerten.
